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    Institut für Psychologie

    Oswald-Külpe Preis

    Der Oswald-Külpe-Preis wurde 2004 in Erinnerung an Oswald Külpe und an die von ihm begründete Würzburger Schule der Denkpsychologie geschaffen. Mit dieser Auszeichnung werden international herausragende Wissenschaftler geehrt, die mit experimentellen Methoden höhere geistige Prozesse erforschen. Gestiftet wurde der Preis von Fritz Strack, einem Würzburger Professor für Sozialpsychologie, der als Stifter zunächst bis zur Preisvergabe 2013 anonym geblieben war. Das Stiftungsvermögen umfasste 100.000 Euro. Der Preis selbst ist mit 4.000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger und die Verleihung des Preises obliegt dem Institut für Psychologie der Universität Würzburg.

    Preisträger 2015: Prof. Dr. Norbert Schwarz

    Verleihung des Oswald-Külpe-Preises 2015 (von links): der Institutsvorstand der Psychologie, Paul Pauli, Preisträger Norbert Schwarz, Universitätspräsident Alfred Forchel und Preisstifter Fritz Strack. (Foto: Robert Emmerich)

    Norbert Schwarz gilt als einer der weltweit am häufigsten zitierten Sozialpsychologen. In zahlreichen Arbeiten hat er untersucht, wie Einstellungen und Urteile entstehen und sich verändern. Dabei stellte er fest, dass spontane Einflüsse einer Situation eine bedeutendere Rolle spielen als stabile Merkmale der Person. Außerdem hat er wesentliche Erkenntnisse darüber gewonnen, welchen Einfluss Gefühle und Stimmungen auf die Urteilsbildung ausüben.

    Für seine herausragende Forschung auf diesem Gebiet wurde der vielfach preisgekrönte Psychologe jetzt auch vom Würzburger Institut für Psychologie ausgezeichnet. Am 20. November 2015 erhielt er den mit 4.000 Euro dotierten Oswald-Külpe-Preis. Schwarz gab bei der Preisverleihung auch Einblicke in seine Arbeit – bei einem Festvortrag mit dem Titel: „Ob da wohl was dran ist? Intuitive Wahrheitsurteile und die Korrektur von Fehlinformationen“.

    Bei der Feier im Külpe-Hörsaal am Röntgenring bezeichnete Institutsvorstand Professor Paul Pauli die Preisvergabe als einen der Höhepunkte im Institutsleben. Universitätspräsident Alfred Forchel gratulierte Schwarz zu der Auszeichnung und erinnerte an die lange Tradition der Würzburger Psychologie. Professor Fritz Strack, der Stifter des Külpe-Preises, hielt schließlich die Laudatio.

    dornsife.usc.edu/norbert-schwarz/

    Preisträger 2013: Prof. Dr. Anke Ehlers

    Verleihung des Oswald-Külpe-Preises 2013 (von links): Fritz Strack und Paul Pauli vom Institut für Psychologie, Preisträgerin Anke Ehlers und Universitätspräsident Alfred Forchel. (Foto: Robert Emmerich)

    Professorin Anke Ehlers (Oxford) ist führend bei der Erforschung der Posttraumatischen Belastungsstörung. Für ihre Leistungen auf diesem Gebiet bekam sie am Freitag den Oswald-Külpe-Preis verliehen. Überraschung bei der Feier: Der bislang anonyme Stifter des Preises gab sich zu erkennen.

    Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTB: Diese Erkrankung stellt sich bei manchen Menschen ein, die Entsetzliches erlebt haben. Das kann ein Bombenanschlag sein, ein schwerer Unfall oder eine Vergewaltigung. Die Betroffenen durchleben die furchtbare Situation immer wieder in sehr intensiver Weise – und zwar so, als sei die Situation noch einmal real.

    Über die PTB haben die Medien in jüngster Zeit zum Beispiel im Zusammenhang mit Soldaten berichtet, die aus Kriegseinsätzen zurückkommen. Auch bei Asylsuchenden, die auf ihrer Flucht schlimme Dinge erlebt haben, wird oft eine PTB festgestellt.

    Bei der Erforschung und Behandlung dieser Störung gehört Anke Ehlers (56) von der Universität Oxford zum Kreis der weltweit führenden Wissenschaftler. Das Institut für Psychologie der Universität Würzburg hat die Leistungen der Professorin auf diesem Gebiet jetzt mit der Verleihung des Oswald-Külpe-Preises gewürdigt. Ehlers bekam die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung am 29. November bei einer Feier im Oswald-Külpe-Hörsaal am Röntgenring verliehen.

    www.psy.ox.ac.uk/team/anke-ehlers

    Preisträger 2011: Prof. Dr. Wolfgang Prinz

    Bei der Verleihung des Oswald-Külpe-Preises (von links): Wilfried Kunde, der die Laudatio hielt, Preisträger Wolfgang Prinz, Fritz Strack, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Psychologie, und amtierender Unikanzler Uwe Klug, der die Gäste des Festaktes im Namen der Hochschulleitung begrüßte. Foto: Robert Emmerich

    Den Preis erhielt Wolfgang Prinz für sein wissenschaftliches Gesamtwerk – und dafür, dass er die altehrwürdige Tradition der Würzburger Schule der Denkpsychologie in der modernen Kognitionspsychologie fortgeführt hat, wie Psychologie-Professor Wilfried Kunde in der Laudatio sagte.

    Seit Mitte der 1980er-Jahre hat sich Wolfgang Prinz stark für das Thema Verhaltenskontrolle interessiert. Bis dahin wurden in der Psychologie die Prozesse der Wahrnehmung und der Bewegungssteuerung eher getrennt voneinander betrachtet. Hierzu legte Prinz damals einen radikalen Gegenentwurf vor, der als „common coding“ bekannt wurde.

    Seine Grundannahme: Wahrnehmung und Verhalten sind so eng miteinander verzahnt, dass sich kaum sagen lässt, wo Wahrnehmung endet und Verhalten beginnt. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Mensch jemanden imitiert – spontan und ohne es zu beabsichtigen. „Säuglinge tun das schon wenige Tage nach der Geburt“, so Kunde.

    Der Common-Coding-Ansatz habe ein sehr erfolgreiches Forschungsprogramm stimuliert. Darin hat die Arbeitsgruppe von Prinz viele Wechselwirkungen zwischen Wahrnehmung und Verhalten gezeigt. Eine besonders verblüffende Erkenntnis: „Nicht nur das, was wir wahrnehmen, beeinflusst unsere Bewegungen. Auch die Art und Weise, wie wir uns bewegen, bestimmt unsere Wahrnehmung“, so Kunde. Beispiel: Die Planung einer Bewegung mit der rechten Hand kann den Menschen mehr oder weniger blind machen für Objekte, die ebenfalls mit dem Merkmal „rechts“ zu tun haben – etwa für Pfeile, die nach rechts weisen.

    www.cbs.mpg.de/person/44797/2470

    Preisträger 2009: Prof. Dr. Michael Tomasello

    Der Oswald-Külpe-Preisträger Michael Tomasello (Mitte) mit den Würzburger Psychologie-Professoren Wolfgang Schneider (rechts), der die Laudatio hielt, und Fritz Strack, dem geschäftsführenden Vorstand des Würzburger Instituts für Psychologie. Foto: Robert Emmerich

    Den Preis erhält Michael Tomasello für seine herausragenden Beiträge zur experimentellen Erforschung höherer geistiger Prozesse – vor allem für seine Arbeiten, in denen er die Entwicklung des Denkens und Kommunikationsprozesse bei Kindern und Primaten vergleicht.

    „Seine Erkenntnisse haben Wissenschaftler aus verschiedenen Gebieten stark beeindruckt: Entwicklungs-, Sozial- und Kulturpsychologen, Anthropologen und Philosophen“, so der Würzburger Psychologie-Professor Wolfgang Schneider in der Laudatio.

    In deutlich mehr als 300 Veröffentlichungen, unter anderem in den Top-Zeitschriften Nature und Science sowie in den wichtigsten Journalen für Entwicklungspsychologie, habe Tomasello seine Forschungsergebnisse publik gemacht. Seine Arbeiten würden zudem stark überdurchschnittlich von anderen Wissenschaftlern zitiert – ein klares Zeichen für ihre außerordentlich große Bedeutung.

    www.mpg.de/369291/anthropologie_wissM3

    Preisträger 2007: Prof. Dr. Richard E. Nisbett

    Ein Preis und sein Namensgeber (v.l.): Wolfgang Schneider, Richard Nisbett, Fritz Strack. Auf dem Poster ist Oswald Külpe zu sehen. (Foto Gunnar Bartsch)

    Nisbett ist Professor für Sozialpsychologie an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Laufe seiner langen Forschertätigkeit hat er sich immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, wie Menschen Entscheidungen treffen und welchen Einflüssen sie dabei unterliegen. „Damit war er ein idealer Kandidat für diesen Preis“, sagte Laudator Strack, geschäftsführender Vorstand des Instituts für Psychologie, in seiner Festrede. Nisbetts herausragende Leistungen auf diesem Gebiet hätten dazu geführt, dass sich das Preis-Komitee einstimmig für ihn ausgesprochen habe.

    Mitte der 70er-Jahre habe Nisbett gemeinsam mit seinem Kollegen Lee Ross ein Forschungsgebiet in Angriff genommen, das sich schnell „zu einem der einflussreichsten Forschungsprogramme in unserem Gebiet“ entwickelt habe, so Strack. Ihre Ergebnisse über Strategien und Fehler menschlicher Entscheidungen publizierten Nisbett und Ross 1980. Dabei konnten sie nachweisen, dass für fehlerhafte Entscheidungen eine ganze Reihe unterschiedlicher Gründe verantwortlich sein können, „Gründe, die nicht aus einer speziellen Motivation resultieren sondern die Folge kognitiver Prozesse sind, die menschlichen Entscheidungen zu Grunde liegen“, so Strack.

    „Mehr sagen als wissen: Mündliche Berichte über geistige Prozesse“ lautete der provokative Titel einer weiteren Publikation, die Nisbett 1977 veröffentlichte. Darin zeigte der Psychologe, dass Menschen zwar glauben, sie könnten ihre Entscheidungen und ihr Verhalten erklären; tatsächlich kennen sie die eigentlichen Gründe jedoch nicht. Oder anders herum: „Menschliches Verhalten wird von Faktoren beeinflusst, die außerhalb der bewussten Wahrnehmung liegen“, wie Strack sagte.

    Einen dieser Faktoren hat Nisbett in den vergangenen Jahren intensiver erforscht: den Einfluss der jeweiligen Kultur, in der Menschen aufwachsen. 2003 hat er dazu das Buch „The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently...And Why” veröffentlicht. „Seine Arbeiten auf diesem Gebiet haben ‚Kulturpsychologie’ als eine experimentelle Disziplin wiederbelebt“, sagte Strack. Insgesamt habe Nisbett sehr viel dazu beigetragen, dass die experimentelle Untersuchung höherer geistiger Prozesse weiterhin eine bedeutende Rolle innerhalb der Psychologie spiele – und sei damit ein würdiger Preisträger für den Oswald-Külpe-Preis.

    www-personal.umich.edu/~nisbett/

    Preisträger 2005: Asher Koriat

    Asher Koriat (Mitte) Links Uni-Vizepräsident Wolfgang Schneider, rechts Fritz Strack, Geschäftsführender Vorstand des Instituts für Psychologie.Foto: Robert Emmerich

    Koriats Werk erfüllt in besonderer Weise die Absicht des Külpe-Preises: Mit diesem sollen herausragende Wissenschaftler ausgezeichnet werden, die mit experimentellen Methoden höhere geistige Prozesse erforschen. Der Professor aus Haifa hat unter anderem gezeigt, dass für de Erinnerung ein Zusammenwirken von Abrufungs- und Urteilsprozessen nötig ist. Auch hat er nachgewiesen, dass die Einschätzung des eigenen Wissens und mentalen Funktionierens eine wesentliche Grundlage für die Steuerung von Lernprozessen darstellt.

    iipdm.haifa.ac.il/index.php/koriat-publications

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