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    Medienkommunikation

    “Geh’ dahin, wo Du sein willst” - so gelingt der Einstieg in die Medienproduktion

    19.01.2021

    Wie steigt man in eine vielschichtige und kreative Branche ein? Und auf welche Fähigkeiten kommt es wirklich an? Stefan Leidner, Redaktionsleitung Unterhaltung beim Hessischen Rundfunk, und Bernd Schumacher, Creative Director bei RTL STUDIOS, teilten im Seminar “MK on the Job” ihre Erfahrungen, wie man in der Medienproduktion erfolgreich Fuß fassen kann.

    V.l.n.r.: Stefan Leidner (Redaktionsleitung Unterhaltung, Hessischer Rundfunk) und Bernd Schumacher (Creative Director bei RTL STUDIOS) ermöglichten im Rahmen des Seminars „MK on the Job“ spannende Einblicke hinter den Vorhang des Showgeschäfts und in den Einstieg in die Medienproduktion.

    Der Start in den Traumberuf Medienproduktion

    Für viele Menschen ist die Medienproduktion ein Traumberuf. Auch für Stefan Leidner, der derzeit für die Redaktionsleitung Unterhaltung beim Hessischen Rundfunk zuständig ist, hat sich mit der Medienproduktion ein Traum erfüllt. Besonders gerne erinnert er sich an Momente in seiner Karriere zurück, in denen er Thomas Gottschalk und andere bekannte Künstler*innen interviewen durfte. Wie viele andere wusste er bereits früh, dass er in die Medien will, aber ihm war noch nicht klar, welchen Weg er genau einschlagen sollte. Wer sich über den “einen korrekten Weg” Sorgen macht, den*die kann Stefan Leidner beruhigen. Denn man müsse nicht unbedingt einen der umkämpften Volontariatsplätze ergattern. Er betont, dass man auch mit Praktika, freier Mitarbeit und/oder als Quereinsteiger*in erfolgreich in die Medienproduktion starten kann.

    Das spiegelt sich auch in Bernd Schumachers Lebensweg wider. Er stieg über eine Sprecherrolle in die Medienproduktion ein. Die Sendung, die er in seiner Karriere bisher am liebsten produziert hat, ist die Dokumentation “Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg”. Mit dieser gewann er 2016 sogar den Deutschen Fernsehpreis. An “Asternweg” gefällt ihm, dass echte Geschichten erzählt werden. Und darum geht es Bernd Schumacher auch in seiner Arbeit. Er betont, dass er Bewerber*innen, die mit einer guten Geschichte oder Idee zu ihm kommen, sehr wahrscheinlich einen Job anbieten könne. Deshalb rät er Studierenden dazu, sich tatsächlich dort zu bewerben, wo sie gerne arbeiten möchten. Dabei sei es egal, ob das Unternehmen eine Stelle ausschreibe oder nicht, denn auch Initiativbewerbungen führten oftmals zum Erfolg und in den Traumjob. Bernd Schumacher schätzt, dass er etwa die Hälfte seiner Mitarbeitenden aufgrund von Initiativbewerbungen anstellte.

    Welche Fähigkeiten sollte man für die Medienproduktion mitbringen?

    Bei einer Produktion muss jede*r Mitarbeitende das Projekt weiterbringen. Neben Kreativität und Kommunikationstalent zählt für Stefan Leidner vor allem Vielfalt, denn “ein Team muss sich ergänzen”. Daher achte er bei angehenden Volontär*innen auf Diversität. Fertigkeiten, die nicht direkt beim Einstieg benötigt werden, könne man auch während des Berufs erlernen. So könnten die meisten MK-Studierenden noch keinen Dreh budgetieren – mit wachsender Erfahrung würde man sich solche Fähigkeiten laut Stefan Leidner aber aneignen.

    Für Bernd Schumacher ist außerdem wichtig, dass Bewerber*innen selbstbewusst auftreten. Sie sollten Mut mitbringen, ihren Wert kennen und wissen, was sie leisten können. Außerdem merkt er an, dass Berufseinsteiger*innen sich nicht zu schade sein sollten, einen Vertrag aufgrund schlechter Konditionen, beispielsweise unbezahlter Überstunden, abzulehnen. Neugier und Interesse sind für ihn das, was gute Medienproduzierende ausmacht.

    Der Alltag in der Medienbranche - Zwischen Erfüllung und Belastung

    Der Alltag in der Medienproduktion ist oft sehr anstrengend. In Phasen, in denen ein Produkt fertig gestellt werden muss, wird oft sehr viel und lange gearbeitet. Die Experten stellen aber fest, dass mittlerweile ein Umdenken stattgefunden hat und Arbeitgeber*innen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in der Privatwirtschaft zu schätzen wissen, dass ausgeruhte Mitarbeiter*innen produktiver sind. Daher könne man Überstunden oft abbauen und bekomme auch Sonderzuschläge, z.B. einen Nachtzuschlag.

    Doch bei Selbstständigen sähe das oft nicht so aus. Bei Freelancer*innen oder kleineren Unternehmen zähle das Produkt, das am Ende abgeliefert wird. Das heißt, dass für ein gutes Produkt auch extrem viel Energie reingesteckt werden müsse, z.B. um wichtige Auftraggeber*innen zu überzeugen. Trotzdem sieht Bernd Schumacher die Selbstständigkeit als eine großartige Chance zur Weiterentwicklung. “Wenn du Grenzen überschreiten willst, macht es sehr viel Sinn dich selbstständig zu machen“, betont er. Vor allem Menschen mit starkem Impuls zur Kreation und Selbstvertrauen in die eigene Gestaltung von Medien könnten hier ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen und ihre Berufung finden. Als Einstieg in den Beruf rät Bernd Schumacher jedoch von der Selbstständigkeit ab und empfiehlt zunächst ein Volontariat in einem renommierten Produktionsunternehmen.

    Die Zukunft in der Medienproduktion

    Beide Experten sind sich einig: Die Medienbranche erfährt momentan einen Wandel. Alte Strukturen, in denen Führungspositionen hauptsächlich von Männern besetzt sind, verändern sich langsam und auch bei der Auswahl der Bewerber*innen wird auf Repräsentation geachtet. Das sind gute Nachrichten für MK-Studierende, denn laut Bernd Schumacher werden talentierte und qualifizierte Führungskräfte, z.B. als Produktionsleiter*innen in der Branche dringend gesucht. Möglicherweise füllt einen solchen Platz in einigen Jahren ein*e MK-Studierende*r. Mit Leidenschaft und Kreativität, davon sind die Experten überzeugt, kann man in der Medienproduktion definitiv weit kommen.

    von Julius Klingelhöfer & Ewa Orman (Master Medienkommunikation), betreut von Ann-Kristin Herget

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